Das Funktionsdiagramm ist eine Grafik, die alle natürlichen Funktionen eines Gewässers in Abhängigkeit des Mobilitätsraums (Gewässerbreite zwischen zwei befestigten Ufern bzw. nicht befestigte Gewässerbreite) im zur Verfügung stehenden Gewässerraum darstellt. Einige natürliche Funktionen hängen auch von anderen Faktoren als dem Gewässerraum (Wasserqualität, Geschiebeführung usw.) ab. Für die Interpretation des Funktionsdiagramms bedeutet ein Erfüllungsgrad von 100% nicht automatisch, dass die natürlichen Funktionen zu 100% erfüllt sind, sondern dass der zur Verfügung stehende Gewässerraum eine Erfüllung zu 100% zulässt, falls alle notwendigen Bedingungen für diese Funktion erfüllt sind. Dieses Webtool richtet sich insbesondere an erfahrene Gewässerfachleute, die mit Gewässern und deren vielfältigen Funktionen vertraut sind. Das Diagramm ist vor allem hilfreich für die folgenden zwei Fälle:
Das Funktionsdiagramm stützt sich auf die charakteristischen Kennzahlen eines natürlichen Gewässers. Für die Erstellung der Grafik sind die Belegung und die Grösse des Gewässerraums nicht massgebend.
Das Verfahren wird auf homogene Gewässerabschnitte angewendet. Die Bestimmung des natürlichen Referenzzustands besteht darin, die allgemeinen Aspekte des zu betrachtenden Abschnitts, unter Ausschluss der anthropogenen Einflüsse, festzulegen. Genau genommen will man Folgendes kennen:
Zur Bestimmung der Gerinnetyp eines Gerinneabschnitts bezieht man sich auf seinen ursprünglichen Zustand, d. h. vor allfälligen Gewässerverbauungen. Dazu dienlich sind alte Karten wie die Dufourkarte. Wenn sich die hydrologischen Bedingungen im Einzugsgebiet stark verändert haben oder wenn keine verlässliche historische Quelle mehr vorhanden ist, kann die Gerinnetyp nur noch über mathematische Formeln (Gewässergleichung) ermittelt werden. Es wird zwischen fünf Formen unterschieden. Diese Typologie stützt sich vor allem auf den Raumbedarf für die Erfüllung der natürlichen Funktionen der verschiedenen Formen.
Der natürlichen Sohlenbreite kommt eine grosse Bedeutung zu, da sie in der Gewässerschutzverordnung genannt wird und unter anderem als Abgrenzung zwischen grossen (>15m) und kleinen (≤15m) Fliessgewässern dient. Eine Abhandlung der unterschiedlichen Methoden zur Bestimmung der natürlichen Sohlenbreite mit Erläuterung der Unsicherheiten und Anwendungsbeispielen findet sich im Dokument «Bestimmung der natürlichen Sohlenbreite von Fliessgewässern» (BAFU, 2023).
Ebenso wichtig ist die Vollbordbreite des Fliessgewässers, die es in seinem natürlichen, unbeeinflussten Zustand hat. In der Regel entspricht die natürliche Vollbordbreite der Wasserspiegelbreite, die vom bettbildenden Abfluss (meist Hochwasser mit einer Wiederkehrperiode von 2 bis 5 Jahren) beansprucht wird. Die Vollbordbreite kann gutachterlich bestimmt werden. Ein möglicher Ansatz fügt zur Sohlenbreite die Breite der Uferböschungen hinzu, welche mittels der Fliesstiefe beim bettbildenden Abfluss und einer Böschungsneigung von 1:2 bis 1:3 hergeleitet werden kann. Die Fliesstiefe kann beispielsweise mithilfe der Normalabflussformel nach Manning-Strickler für den bettbildenden Abfluss in der natürlichen Sohle bestimmt werden. Weiter können mit Hilfe der im Rahmen der Bestimmung der natürlichen Sohlenbreite nach BAFU (2023) ermittelten Grundlagen, die Werte verifiziert werden.
Für die mäandrierenden Gewässer muss die Mäanderamplitude (in m) definiert werden; diese Grösse kann anhand historischer Karten oder alter, heute noch sichtbarer Laufspuren definiert werden; grundsätzlich kann der Wert 6-10×Lpb verwendet werden.
Die Definition der notwendigen Gewässerraumbreite aufgrund der Funktionen kann wahlweise ausserhalb oder innerhalb eines Auengebiets erfolgen. Die Erfüllungskurven der Funktionen «terrestrische Strukturen» und «Entwicklung von typischen Pflanzengemeinschaften» zielen darauf ab, dass sich eine Weichholzaue entwickeln kann. Zusätzlich dazu soll sich in den Auengebieten auch eine Hartholzaue entwickeln können.
Bemerkung: Lfl < Lpb (< Anat). Der Wert von Anat ist für die verzweigten und die geraden Gerinne nicht erforderlich.